Ein Holländer in Bremerhaven

Ein Holländer in Bremerhaven

Jack Weterings trifft man auf vielen Hochzeiten an. Wenn er mit seinem Kumpel Musik macht zum Beispiel. Man trifft ihn in Kneipen wie in Kuddels Musikkneipe und natürlich in seiner Wohnung in der Adolfstraße in Bremerhaven-Lehe.

Da stehen die Bildschirme, an denen er Musik zusammenstellt. Und da schaut die kleine getigerte Katze, die er aufgenommen hat, neugierig durchs Fenster. Und in seiner Wohnung, in der uns der hochgewachsene weißhaarige Holländer herzlich – „Kommt rein, was möchtet ihr trinken?“ – empfängt, gibt es ausreichend Bier und Genever.

71 Jahre ist er alt, der stadtbekannte Musiker und ehemalige Elektrotechniker, der in seiner Wohnung nach dem Einzug erstmal etliche Steckdosen zusätzlich angebracht hat. Und er hat einen Kühlschrank, in dem man acht Kästen Bier – oder selbstverständlich auch Wasser! – ­verstauen kann.

Weterings kommt aus Südholland, aus Dongen. Der Vater war Schuster, der Sohn sollte etwas Besseres werden. Der arbeitete 20 Jahre in seinem erlernten Beruf, doch Beamter zu werden, lockte ihn gar nicht. Weterings griff lieber auch beruflich zur E-Gitarre, kam gut an und spielte fortan für seinen Lebensunterhalt auf. Spielte in der Roxy Bar, spielte in Bierzelten, spielte viele Jahre auf dem Bremerhavener Jahrmarkt. Und tritt seit Jahren mit Kumpel Hartmut Ziembiewicz als „Flachländer“ auf. „Wir nehmen alle Jobs mit.“ Die Rente ist klein.

Welche Musik ihm gefalle? Er wirft den weißen Zopf zurück und lacht. Ihm gefalle Beethovens Klavierkonzert, aber auch eine bayrische Polka. Im Internet kann man sich die Flachländer anschauen. Sie spielen Schlager, könnte man es einfach beschreiben. Aber wenn man aufmerksam ist, hört man nicht nur den holländischen Akzent, sondern auch einen feinen ironischen Unterton. Hört das Mitgefühl mit denen, denen es nicht so gut geht in dieser Gesellschaft. Mit dem Maler aus Lehe, mit dem, der Hartz IV bekommt, oder dem, der von Tennessee immer nur träumt. „Wollt ihr noch was trinken?“, fragt Weterings. Die Katze kratzt an der Terrassentür und will jetzt endlich rein. Sie heiße Tippsy und das bedeute auf Holländisch so etwas wie „bisschen angeheitert“. Na dann.


Hier geht er gern hin, der Weterings, Kuddels Musikkneipe in der Goethestraße 1. Seit 2006 gibt es Live-Mucke bei Kurt „Kuddel“ Lerch, der als echter Rocker auch selbst gern zur Bass-Gitarre greift. In der ehemaligen „Rudelsburg“ wird auf­gespielt – jeden Samstag live, auch Nachwuchsbands finden hier eine Bühne. „Familiäre Kneipe, viel Livemusik und rauchen ist erlaubt“, schrieb einer kurz und knapp ins Gästebuch. Täglich außer sonntags geöffnet. Einfach mal reinschauen: www.kuddels-musikkneipe.de


Wohnen zwischen Denk­mälern? So ist das in Lehe! Der Stadtteil Lehe ist einen Spaziergang wert. Die Denkmalliste der Denkmalpflege Bremen verzeichnet allein in der Adolf- und Goethestraße rund 20 Häuser.

Im Juli können Sie eine ganz besondere Stadtteilführung gewinnen. Machen Sie sich mit uns auf eine abenteuerliche Wanderung durch das Lehe wie wir es sehen. Lauschen Sie den urigen Geschichten Jochen Hertrampfs und trinken Sie zwischendurch einen Schnaps auf unser Wohl. Mehr zur Aktion und zum Gewinnspiel lesen Sie unter www.100jahre-woge.de/events.


Musikmachen auf dem Ami-Markt. Der „Ami-Markt“ ist ein legendäres deutsch-­amerikanisches Freundschaftsfest auf dem Phillips-Field, das von 1967 bis 1992 stattfand. Dass es eine Promotion-Veranstaltung der US-Army war, störte niemanden, gab es hier doch Köstlichkeiten wie Eis in Würfeln, gegrillte Mais­kolben und, damals ein echter Hit, Hamburger. Hier traf man sich, um Eis zu essen und Korbball zu spielen, um Squaredance zu tanzen und verschiedene „Mucke“ zu hören. Auch Jack Weterings spielte hier auf. Mehr zu Jack und seiner Musik unter www.flachlaender.de.